Die Prof. Dr. Andreas Müller leitet die Abteilung  Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Bonn und das  Zentrum für Kinder mit angeborener Zwerchfellhernie.

Am Universitätsklinikum Bonn werden seit über 20 Jahren Kinder mit angeborener Zwerchfellhernie betreut,  damit gehört es zu den führenden Zentren in Deutschland.

Angeborene Zwerchfellhernie: Betreuung nach Geburt

Spezialisierte ÄrzteInnen und IntensivpflegerInnen der Kinderintensivstation kümmern sich direkt nach der Geburt um Ihr Kind. Auf einer speziellen Erstversorgungseinheit (Wärmebett mit Beatmungsgerät und Kreislaufüberwachungsmonitor) erfolgt die Versorgung Ihres Kindes. Ab der ersten Lebensminute werden alle Kreislaufparameter (Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Blutdruck) kontinuierlich gemessen und überwacht. Wegen der unterentwickelten Lunge ist eine maschinelle Beatmung notwendig. Dafür wird ein Beatmungsschlauch (Tubus) in die Luftröhre gelegt, an den das Beatmungsgerät angeschlossen werden kann. Um Medikamente und Nährstoffe verabreichen zu können, wird nach der Geburt ein kleiner Schlauch (Nabelvenenkatheter, NVK) durch den Nabel in ein großes Blutgefäß geschoben. Bevor wir mit diesen Prozeduren beginnen, erhält Ihr Kind eine Narkose, die bis nach der Korrektur-OP fortgeführt wird. Mit der Narkose stellen wir sicher, dass Ihr Kind weder Stress noch Schmerzen erleidet. Nach einer guten Stunde sind meist alle erforderlichen Maßnahmen durchgeführt und Ihr Kind wird auf die Neonatologische Intensiv- und Pflegestation (NIPS) verlegt und dort weiterversorgt. Auf der Station erfolgt die Anlage eines weiteren zentralen Katheters (zentraler Venenkathter, ZVK), die für die Gabe der erforderlichen Medikamente notwendig ist.

Neonatologische Intensiv- und Pflegestation (NIPS)

Auf der Neonatologischen Intensiv- und Pflegestation (NIPS) erfolgt die weitere Betreuung Ihres Kindes. Rund um die Uhr kümmert sich ein interdisziplinäres Team aus Pflegefachkräften und ÄrztInnen um Ihr Kind und natürlich auch um Sie.

Eltern sind für uns keine Besucher, sondern ein Teil unseres Behandlungsteams.

In den ersten Tagen erklären wir Ihnen was Sie auf den Monitoren sehen, welche Medikamente wir verabreichen und welche Maßnahmen durchgeführt werden. Sie können jederzeit Ihr Kind auf unserer Intensivstation besuchen – egal ob tagsüber oder nachts. Das Pflegepersonal wird Sie bereits frühzeitig in die Versorgung Ihres Kindes miteinbeziehen.
Für die Zeit in der Sie nicht bei Ihrem Kind sein können, besteht die Möglichkeit eines „virtuellen Besuches“ bei Ihrem Kind mittels Videostreaming über eine Bettkamera.

Auf der Neonatologischen Intensiv- und Pflegestation (NIPS) steht Ihnen ein Elternraum zur Verfügung, in dem Sie sich zurückziehen können, um in Ruhe eine Tasse Kaffee oder Tee zu trinken.

Was passiert in den ersten Tagen nach der Geburt?

Die ersten Tage nach der Geburt dienen der Stabilisierung und Vorbereitung auf die Korrektur-Operation. Durch Medikamente, die über die Vene und das Beatmungssystem verabreicht werden, wird die Sauerstoffversorgung des Kindes stabilisiert. Durch die unterentwickelte Lunge und den Defekt im Zwerchfell verengen sich die Blutgefäße in der Lunge. Dies wird „pulmonaler Hochdruck“ oder „pulmonale Hypertonie“ genannt. Durch die verengten Blutgefäße in der Lunge muss das Herz stärker arbeiten um genügend Blut durch die Lunge pumpen zu können. Zur Unterstützung und zur Kräftigung des Herzens werden mehrere Medikamente verabreicht.

Was sehe ich auf dem Monitor meines Kindes?

Auf dem Monitor über dem Bett Ihres Kindes sehen Sie „online“ alle Vitalparameter Ihres Kindes. Die oberste grüne Kurve zeigt die Herzaktion Ihres Kindes. Jede Zacke steht für einen Herzschlag. Die nebenstehende grüne Zahl gibt die Herzschläge pro Minute an.
Die blaue Kurve gibt Auskunft über die Sauerstoffsättigung im Blut Ihres Kindes. Die blaue Zahl zeigt den gemessenen Wert in Prozent an.
Der Blutdruck wird über einen kleinen Schlauch direkt im Blutgefäß gemessen. Die Messwerte werden mit der roten Kurve dargestellt. Die rote Zahl in Klammern neben der Kurve zeigt den mittleren Blutdruck Ihres Kindes an.
In der untersten Zeile des Monitors sehen Sie auch die gemessene Körpertemperatur Ihres Kindes (gelber Messwert).

Welche Untersuchungen werden bei meinem Kind durchgeführt?

Direkt bei Aufnahme auf Station wird ein Röntgenbild vom Brustkorb Ihres Kindes angefertigt. Dies geschieht direkt auf Station mit einem modernen digitalen Röntgengerät. Dadurch wird die Strahlenbelastung so gering wie möglich gehalten. Auf dem Röntgenbild kann nun die Größe und Beschaffenheit der Lunge beurteilt werden. Außerdem wird kontrolliert ob der Beatmungsschlauch (Beatmungstubus) und die zentralen Zugänge (NVK, ZVK) an ihrer vorgesehenen Position liegen.
Mehrmals am Tag erfolgt eine Kontrolle der Herzfunktion mittels Ultraschall. Mit dem Ultraschall kann auch der „pulmonale Hochdruck“ abgeschätzt werden.
Regelmäßige Blutuntersuchungen geben uns Auskunft über die Sauerstoffsättigung und pH-Wert im Blut. Diese speziellen Blutuntersuchungen nennen wir „Blutgasanalyse“. Auf der Station werden Sie meist nur die Abkürzung „BGA“ hören. Die „BGA“ oder „Blutgasanalyse“ kann direkt auf Station durchgeführt werden und es dauert nur zwei Minuten bis das Ergebnis vorliegt. Alle anderen Laboruntersuchungen werden im Zentrallabor der Universitätsklinik Bonn durchgeführt. Hier liegen nach zwei bis drei Stunden die Untersuchungsergebnisse vor.
Die Ärzte und Pflegekräfte erklären Ihnen alle Untersuchungsergebnisse und stehen Ihnen für Fragen zur Verfügung